Petra aus Siegen im Pariser Lido

petra matschuck-petersen-20Der Traum, der innige Wunsch eines Mädchens aus der deutschen Provinz, als Tänzerin auf einer weltberühmten Bühne Karriere zu machen, ging für Petra Matschuck in Erfüllung. Seit nunmehr 19 Jahren steht die in Siegen aufgewachsene junge Frau auf der Bühne des international bekannten Pariser Revuetheaters Lido. Auf eine derart aussergwöhnliche lange Karriere bringen es nur sehr wenige Tänzerinnen. Tägliches Training, eine gesunde Lebensführung und natürlich die unveränderte Begeisterung für das Tanzen wären gemäss der 44jährigen Siegenerin hierfür die unerlässlichen Voraussetzungen.

Tanzen und Ballett waren im Elternhaus kein vorrangiges Thema. Der inzwischenverstorbene Vater war Metallarbeiter, die Mutter kümmerte sich um die Erziehung derzwei Töchter. Als dreieinhalbjähriges Mädchen kam Petra Matschuck erstmals mitdem Tan-zen in Kontakt. Im Kindergarten schwärmte eine Kamaradin bezüglich ihresBallettunterrichtes im Jugendtanztheater. Die neugie-rige Petra begleitete sie und warsofort zum Mitmachen bereit. Bis zum 19. Lebensjahr nahm sie dort Ballettunterrichtund fassteziemlich schnell die Entscheidung, aus dieser Freizeitbeschäftigung einen Beruf zu machen. Um den besorgten Eltern eine Freude zu bereiten, bestand sie auchdie Abiturprüfung.

Die Hoffnung, eine Karriere als klassische Ballettänzerin zu machen, scheiterte zur grossen Enttäuschung an ihrer Körperlänge. Mit gut 180 Zentimeter Körpergrösse ist dies unmöglich. Ein Schlusstrich unter das Tanzen war für die ehrgeizige Petra aber kein Thema.Sie befolgte den Rat, in Tilbourg  (Holland) klassischen und modernen (Jazz) Tanz zu studieren. Die vierjährige Ausbildung beendete sie 1992 mit dem Diplom als staatlich anerkannte Tanzlehrerin. Das schaffte einige Jahre später auch ihre um sechs Jahre jüngere Schwester, die aber nicht bei der Stange blieb. Den erlernten Beruf wollte jedoch Petra nicht sofort ausüben. Der Drang zur Bühne war viel zu gross.

Ein holländischer Studienkollege riet ihr die Bewerbung beim Lido, bei dem grosse Tänzerinnen gefragt sind. Ende 1992 wurde sie zum Vortanzen nach Paris eingeladen. Das Lido versprach die Beibehaltung des Kontaktes für den “Bedarfsfall”. Um im Beruf zu bleiben, nahmdie junge Frau ein Engagement beim Revuethater im elsässischen Kirviller an. Dort schwangsie “oben ohne” das Tanzbein. Ein erneuter Probetanz verhalf ihr ab April 1994 zum ersehntenEintritt in das Lido-Ballett. Nach einem zweiwöchigen Training durfte sie endlich – ebenfalls “oben ohne” – auf die Bühne treten. “Bravissimo” hiess die Revue, die sich in ihrer Endphase befand und die Investition “eingespielt” hatte. Dort lernte Petra ihren französischen Ehemann kennen, der als Sänger auf der Lido-Bühne stand.

Dank ihres Fleisses und Talentes wurde sie von der Direktion zur “Springerin” ernannt. Das bedeutet, dass sie in der Lage sein muss, um wegen Urlaub oder Erkrankung ausfallende Tänzerinnen zu ersetzen. Das setzt das Beherrschen von zehn verschie-denen Rollen voraus. Das wardie erste Stufe auf der Karriereleiter. Die zweite Stufe war die Ende 1998 erfolgte Beförderung zum”Kapitän” für die “oben ohne-Tänzerinnen”. Sein Aufgabenbereich ist gross. Der Kapitän kümmert sich um das reibungsfreie Tanzen der Kolleginnen auf der Bühne, er bereitet neue Tänzerinnen aufden Bühneneinsatz  vor und leitet das regelmässige Training. Hinzu kommt der “Verwaltungskram”, sprich die Planung des Urlaubes, der freienTage und dergleichen mehr. Trotz dieser zusätzlichen Belastung steht die junge Frau pro Woche an sechs Abenden auf der Bühne und trägt zehn verschiedene Kostüme.

Für eine Ballettänzerin signalisieren 44 Lebensjahre die Tatsache, dass das “Tanzende” unweigerlichbevorsteht. Mit einem der-artigen Alter sind die Tänzerinnen des Pariser Opernballetts bereits in die Rente abgeschoben. Ans Aufhören will Petra Matschuck aber vorläufig nicht denken. Getanzt wird so langewie es der Körper, die Gesundheit erlauben. Konkrete Pläne für die Zeit nach der Bühnenkarriere hat sienoch nicht. Sie will aber auf jeden Fall weiterhin im Tanzbereich aktiv sein, vielleicht als Tanztrainerin im Lido. Die kinderlose junge Frau lebt voll und ganz für ihren Beruf. Die knappe freie Zeit verbringt sie hin und wieder mit dem Reiten, zu dem sie von ihrem Mann angespornt wurde. Damit die Kontakte zur “Heimat” erhalten bleiben, besucht Petra Matschuck regel-mässig ihre Familie in Siegen.                                                    

 

Par Uwe Karsten Petersen

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