Marine Le Pen – Außen weich, innen ganz hart von Birgit Holzer

Porträt Marine Le Pen gilt als Idol der französischen Rechten. Bei den Präsidentschaftswahlen im April tritt sie wieder an. Doch diesmal gibt es viel weibliche Konkurrenz und einen rechten Mitbewerber, der noch radikaler auftritt als sie. Und auf einmal zeigt Le Pen ein anderes Gesicht.

von Birgit Holzer, journaliste correspondante pour plusieurs titres de la presse régionale allemande et le magazine bilingue franco-allemand Paris-Berlin

Paris Die Kandidatin ist bester Dinge, und das sollen alle sehen. Ihre Schuhe mit den hohen Absätzen lassen sie noch größer erscheinen, als sie ohnehin ist. Wenn sie spricht oder lacht, und sie spricht viel und lacht oft, dann erfüllt ihre tiefe, rauchige Stimme den ganzen Raum. Ein Mikrofon braucht sie nicht. Marine Le Pen hat an diesem Nachmittag mehrere ausländische Korrespondentinnen und Korrespondenten in ein Hotel im noblen Pariser Westen geladen, sie trägt ein schwarzes Sakko über einer eleganten, weißen Bluse. Seit Wochen absolviert sie ein straffes Wahlkampfprogramm, reist durchs Land und gibt Interviews. Trotz des Pensums wirkt sie entspannt und ist zu Scherzen aufgelegt. Frage also: Was ist der Unterschied zwischen Marine Le Pen 2017 und Marine Le Pen 2022? Sie lacht laut auf, als handele es sich um einen herrlichen Witz. „Es ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Bordeaux 2021 und einem Bordeaux 1968.“ Man reife mit der Zeit und werde immer besser. READ MORE